Mitgliederinitiative “100% FC – Dein Verein”

29. September 2017 Kommentare deaktiviert für Alle Mitglieder sind gleich?! – Nicht in Leipzig! Volkssport Fußball

Alle Mitglieder sind gleich?! – Nicht in Leipzig!

Nachdem unser 1. FC Köln in der vergangenen Saison erstmalig gegen RB Leipzig antreten musste, haben wir uns als Südkurve 1. FC Köln e.V. nach Gesprächen mit vielen FC-Fans an verschiedenen Protestformen beteiligt. Zudem haben wir eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Konstrukt aus Leipzig betrieben. Unsere damaligen Standpunkte haben nichts an ihrer Gültigkeit verloren und sind nach wie vor in unserem Flyer nachzulesen.

Da wir diese Veröffentlichung allerdings nur als Start einer langfristigen Auseinandersetzung gesehen haben, äußern wir uns im Vorfeld des Heimspiels gegen RB Leipzig erneut und wollen damit unseren Beitrag leisten, dass die berechtigte Kritik an diesem Fußballkonzern nicht zum Erliegen kommt. Mittlerweile liegt uns auch die Satzung von „RasenBallsport Leipzig e.V.“ vor und insbesondere die Aspekte „Demokratie“ sowie „Mitgliederrechte“ werden wir in dieser Stellungnahme in den Blick nehmen.

Die Satzung unterscheidet in § 6 Mitgliedschaft zwischen „Ordentliche Mitglieder“, „Fördernde Mitglieder“, „Ausübende Mitglieder“ und „Jugendliche Mitglieder“. Die beiden letztgenannten Mitgliederarten umfassen Personen, die aktiv im Verein Sport ausüben und das 18. Lebensjahr vollendet haben („Ausübende Mitglieder“) oder nicht vollendet haben („Jugendliche Mitglieder“). Solche Mitglieder können zwar an den Mitgliederversammlungen teilnehmen, haben aber weder aktives noch passives Wahlrecht. „Fördernde Mitglieder“ haben im Rahmen von Mitgliederversammlungen ebenso kein Wahlrecht, lediglich für den Aufsichtsrat besteht ein passives Wahlrecht. Lediglich „Ordentliche Mitglieder“ haben volles Wahl-, Rede-, Stimm- und Antragsrecht.

Eine solche Zweiklassengesellschaft innerhalb der Mitgliederschaft widerspricht unserem Verständnis von Demokratie und Vereinsleben fundamental. Wir treten für einen Fußballverein mit umfassenden Mitgliederrechten, demokratischen Strukturen und einer Gemeinschaft aus Mitgliedern als Basis ein. Diese Grundsätze sind für uns nicht verhandelbar und begründen auch unsere Ablehnung von Konstrukten wie RB Leipzig.

Die Entscheidung über die Aufnahme eines Mitglieds trifft in Leipzig übrigens der Vorstand, der seine positive oder negative Entscheidung in diesem Zusammenhang nicht einmal begründen muss (vgl. § 7). Der Ausschluss eines Mitglieds kann ebenfalls durch Vorstand erfolgen, in diesem Fall hat er seine Entscheidung aber schriftlich zu begründen (vgl. § 9 Satzung). Allerdings steht jeder abgelehnten oder ausgeschlossenen Person die Möglichkeit offen Rechtsmittel beim sogenannten Ehrenrat einzulegen.

Der Ehrenrat ist ein Gremium, das auf Vorschlag des Vorstands von der Mitgliederversammlung gewählt wird. Seine Unabhängigkeit gegenüber dem Vorstand ist also schon einmal grundsätzlich in Frage zu stellen. Für den Fall, dass die Mitgliederversammlung den Vorschlag des Vorstands ablehnt, können aus der Versammlung heraus Vorschläge zur Wahl gemacht und gewählt. Sofern die Mitgliederversammlung sich aber gegen den Willen des Vorstands stellt, muss innerhalb von zwei Monaten eine weitere Mitgliederversammlung durchgeführt werden, wo die Vorschläge des Vorstands und der Mitgliederversammlung erneut zur Wahl stehen (vgl. § 14 Satzung). Eine Wahl wiederholen zu können, wenn das Ergebnis nicht im Sinne einer beteiligten Partei gewesen ist, zeugt erneut von einem sehr eingeschränkten Demokratieverständnis.

Es ist offensichtlich wie durch diese Satzung versucht wird, die Machtposition eines Vorstands dauerhaft zu stärken bzw. zu erhalten. In der jüngeren Vergangenheit lassen sich solche Tendenzen leider auch wieder rund um den 1. FC Köln beobachten. In Zukunft gilt es daher die erworbenen demokratischen Mitgliederrechte gegenüber jedem Vorstand unabhängig seiner persönlichen Konstellation zu verteidigen.